Vereinbarung

 

Wir begegnen allen Beteiligten mit Achtung, Wertschätzung und Respekt. Das Kindeswohl steht immer an  erster Stelle. Im Verhältnis zu beiden Elternteilen sind wir allparteilich. Unabhängigkeit gegenüber allen  involvierten Institutionen, wie Gericht, Kinder- und Jugendhilfe etc. sind die Grundpfeiler unserer Tätigkeit. 

I) Rechtliche Grundlagen 

Eltern-Kind-Kontakte sind ein Grundrecht 

Artikel 9 Absatz 3 des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes (UN-KRK) vom 20.11.1989  schreibt das Grundrecht auf Eltern-Kind-Kontakte fest. Auch der Artikel 2 des Österreichischen  Bundesverfassungsgesetzes über die Rechte von Kindern (BVG Kinderrechte) aus dem Jahr 2011 sieht das  Recht des Kindes „auf regelmäßige persönliche Beziehungen und direkte Kontakte zu beiden Elternteilen,  es sei denn, dies steht seinem Wohl entgegen“.  

 

Besuchsbegleitung 

Das Institut der Besuchsbegleitung wurde in Österreich 2001 ins Leben gerufen. Es ist also – gemessen am  UN-Übereinkommen – relativ jung. Seine gesetzliche Normierung findet sich im § 111 Außerstreitgesetz  (AußStrG): „Wenn es das Wohl des Minderjährigen verlangt, kann das Gericht eine geeignete und dazu  bereite Person zur Unterstützung bei der Ausübung des Rechts auf persönliche Kontakte heranziehen.“  Das heißt im Umkehrschluss: Bei befürchteten oder drohenden Gefährdungen des Kindeswohls sind  begleitende Kontakte dringend angeraten.  

 

Zwangsmaßnahmen gegen ein Besuchscafé bzw. gegen Besuchsbegleiter*innen sind gemäß  § 111 AußStrG nicht zulässig. Somit können gerichtliche Bestellungen und Aufträge zur Besuchsbegleitung  abgelehnt werden. 

 

 

II) Ziel 

Ziel der Besuchsbegleitung ist es, die Neu- oder Wiederanbahnung des persönlichen Kontaktes zwischen  minderjährigen Kindern und der/dem Besuchsberechtigten zu erhalten, zu vertiefen oder anzubahnen.  Dies geschieht immer mit Blick auf die momentanen Bedürfnisse des Kindes. Die Besuchsbegleitung ist  grundsätzlich ein zeitlich begrenztes Instrument, das als Vorbereitung für unbegleitete Kontakte gedacht  ist. 

III) ABLAUF 

Erstgespräch 

Erstgespräche finden jeweils getrennt mit beiden Elternteilen und ohne Kinder statt. Dabei erörtern wir die  Ausgangssituation und alle notwendigen und unterstützenden Maßnahmen, um die Besuchsbegleitung  konstruktiv gestalten zu können.  

Erstkontakt 

Bei den Erstkontakten haben wir Gelegenheit, das Kind kennenzulernen und uns vorzustellen. Ziel des  Erstkontakts ist, dass das Kind das Besuchscafé und die zuständige Besuchsbegleiter*in kennenlernt, sich  wohlfühlt und eine erste Vertrautheit aufbaut. 

Besuchskontakt 

Termine vereinbaren wir nach Vorgabe des Gerichtes, den Kapazitäten des Besuchscafés, der  Kindergarten- und Schulzeiten der Minderjährigen sowie den Arbeitszeiten der Eltern/Beteiligten. Besuchsberechtigt sind nur jene Personen, die im Beschluss oder in der Vereinbarung angeführt sind. 

Zwischengespräche 

Nach Bedarf führen wir Zwischengespräche mit Kindern oder den Elternteilen. 

Abschlussgespräche 

Am Ende der Zusammenarbeit besteht die Möglichkeit, Abschlussgespräche zu führen. Hier können alle  Beteiligten das weitere Procedere erörtern und allenfalls eine Kontaktvereinbarung erarbeiten.  

Versetzte Übergabe 

Falls ein Aufeinandertreffen wegen des hohen Konfliktpotentials der Eltern vermieden werden soll, findet  eine versetzte Übergabe statt. Der besuchende Elternteil kommt zuerst ins Besuchscafé und der  betreuenden Elternteil 15 Minuten später. Die Besuchsbegleiter*in übernimmt das Kind und der  betreuende Elternteil verlässt das Besuchscafé. 

IV) ABSAGE  

Vereinbarte Termine können bis zu 48 Stunden vorher kostenfrei abgesagt werden. Bei einer Absage bis zu  24 Stunden vor dem Termin wird eine halbe Stunde verrechnet. Danach sind die Kosten im vollen Umfang  zu tragen. Die Kosten trägt jeweils der Elternteil, der verhindert ist bzw. nicht rechtzeitig abgesagt hat. 

Ausnahmen gelten im Krankheitsfall. Es entsteht keine Kostenpflicht, wenn Eltern bei eigener Erkrankung  24 Stunden vor dem Termin absagen. Bei Kindern beträgt die Frist 4 Stunden. Eine Arztbestätigung ist  dazu notwendig.

V) AUFSICHTSPFLICHT

 

Während des Besuchskontaktes geht die Aufsichtspflicht auf den besuchenden Elternteil über. Besuchskontakte werden in Abwesenheit der betreuenden Elternteile durchgeführt. Ausnahmen gibt es bei  Kontakten zu unter dreijährigen Kindern, da kann der betreuende Elternteil im Nebenraum warten. 

VI) REGELN  

Als Besuchsbegleiter*innen bleiben wir die gesamte Kontaktzeit bei dem Kind/den Kindern und  intervenieren bei Bedarf. 

Die besuchenden Elternteile bzw. Personen verpflichten sich zu einem wertschätzenden Verhalten  während des Kontaktes. Es dürfen keine abfälligen Bemerkungen über den anderen Elternteil oder dessen  Familie gemacht werden. Aggressives Verhalten oder Drohungen sind zu unterlassen. Auch ist es den  besuchenden Elternteilen untersagt, dem Kind/den Kindern heimliche Informationen zu übermitteln.  

Bild-, Ton- und Videoaufnahmen empfehlen wir nur zum persönlichen Gebrauch anzufertigen und nicht  auf Social Media (Facebook, Instagram, etc.) zu veröffentlichen. 

Gespräche im Rahmen der Besuchsbegleitung finden ausschließlich auf Deutsch oder auf einer Sprache  statt, die von der/dem zuständigen Besuchsbegleiter*in beherrscht wird. 

Kleine Geschenke sind erlaubt, größere Geschenke empfehlen wir, nur zu besonderen Anlässen.  

Mitgebrachte Jausen bitte bei Tisch essen. Nach dem Besuchskontakt sollte das Spielzimmer aufgeräumt  hinterlassen werden. 

Das Spielzimmer darf aus hygienischen Gründen nicht mit Straßenschuhen betreten werden. Bitte für das  Kind/die Kinder bei Bedarf Hausschuhe oder rutschfeste Socken mitbringen. 

Besuchsberechtigte Personen, die unter Einfluss von Drogen, Alkohol oder sonstigen Substanzen stehen,  können den Kontakt nicht wahrnehmen und haben das BC umgehend zu verlassen. 

Grundsätzlich finden die Kontakte im Besuchscafé statt. Ausflüge in der nahen Umgebung sind nach  fachlicher Einschätzung möglich. Es erfolgen keine Fahrten in privaten PKWs. 

VII) KOSTEN 

€ 70.- / Stunde € 35.- / Übergabe 

 

Von beiden Elternteilen ist eine Kaution in Höhe von € 70.- zu hinterlegen. Diese ist für die Erstellung eines  Berichtes bzw. für nicht rechtzeitig abgesagte Termine zu erbringen. 

Für einen Bericht werden 2 h berechnet, an den Kosten beteiligen sich beide Elternteile. Berichte können  ausschließlich vom Gericht und gegebenenfalls von der KJH angefordert werden. 

Bei geförderten Besuchskontakten fallen keine Kosten an. Es ist lediglich eine Kaution in Höhe von € 70.- von jedem Elternteil zu hinterlegen. 

VIII) ABBRUCH 

Die Übernahme zur Organisation und Durchführung der Besuchsbegleitung ist freiwillig und  eigenständig. Wenn wir eine konstruktive Besuchsbegleitung nicht mehr gewährleistet sehen, haben wir die Möglichkeit, diese jederzeit zu beenden. Dies kann beispielsweise bei Regelverstößen oder bei  hocheskaliertem und aggressivem Verhalten notwendig werden. 

IX) EINVERSTÄNDNISSERKLÄRUNG

Ich bestätige den Erhalt der Vereinbarung über die Besuchsbegleitung. Ich nehme sie vollinhaltlich zur  Kenntnis und werde mich daran halten. Weiters bestätige ich, dass ich die Information bezüglich der  Verwendung meiner Daten gemäß DSGVO 2018 erhalten habe und damit einverstanden bin.